Machen künstliche Süßstoffe fett?

Möchtest du deiner Figur etwas Gutes tun, Kalorien sparen oder Diabetes Typ 2 vorbeugen und tust stattdessen lieber Süßstoff in deinen Kaffee, genießt den süßstoff-gesüßten Kuchen, kaust permanent Kaugummi oder nimmst doch lieber die Light-Coke, die „sugarfree“ Gummibärchen? Noch irgendwas vergessen? Die Liste ist lang mit Dingen, die wir täglich konsumieren und auf künstlichen Süßstoffen basieren, von der Zahnpasta zu Diet-Coke bis hin zu Fertigprodukten…

Die meisten Menschen, die gerne Gewicht verlieren wollen indem sie einfach von ihrem normal hohen Zuckerkonsum praktischerweise auf Süßstoffe umsteigen, um Kalorien zu sparen oder vermeintliche gesundheitliche Benefits dadurch zu haben, haben leider keinen langfristigen Erfolg damit.

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Am Einfluss von künstlichen Süßstoffen auf unsere Gesundheit wird noch viel geforscht, insbesondere daran beteiligt als Hauptbetroffener ist wie immer: das Mikrobiom, also unsere Darmflora! Eine israelische Forschergruppe hat anhand von Mausexperimenten gezeigt, dass Mäuse, die über ca 3 Monate mit künstlichen Süßstoffen wie Aspartam, Saccharin oder Sucralose gefüttert worden, einen sehr hohen Blutzuckerspiegel bekamen (führt langfristig zu Diabetes, Leber- und Herzerkrankungen) und eine veränderte Darmflora aufwiesen, die normalerweise in fettleibigen Mäusen vorhanden ist. In dieser Darmflora liegen überwiegend Bakterien von der Subgruppe Firmicutes vor, die bei den Mäusen die Fetteinlagerung statt Verbrennung begünstigten. Die Bakterien in der veränderten Darmflora nach ständigem Süßstoffkonsum haben damit möglicherweise auch in Menschen denselben Effekt, wie bei 381 Probanden gezeigt wurde: Die Probanden, die künstliche Süßstoffe bevorzugten hatten eine höhere Wahrscheinlichkeit fettleibig zu sein.

 

Beim Menschen ist die Situation noch einmal komplexer als bei Mäusen, da hier natürlich ein sehr individueller Lifestyle und noch einmal eine höhere genetische Variabilität mit auf die Effekte einwirkt, die durch Ernährung verursacht werden. Bei genetisch prädestinierten Menschen für einen korpulenteren Körperbau können bestimmte Lifestylefaktoren besonders ins Gewicht fallen und die genetische Prädisposition verstärken, so offenbar vor allem Süßstoffkonsum.

 

Schraube deinen Zuckerkonsum und dein Bedürfnis nach Zucker herunter!

Aber mal ehrlich und unabhängig davon ob man sowieso auf seine Figur achten sollte/möchte: Muss es eigentlich immer süß sein? Die Nahrungsmittelindustrie und wir tendieren dazu, dass alles, aber auch wirklich alles gesüßt sein muss, ob eigentlich herzhaft oder auch in Getränken. Wir haben uns selbst dahin erzogen, dass Zucker einer der Geschmacksträger No 1 geworden ist. Über den Einfluss von viel Zucker auf deine Darmflora und deine Gesundheit berichte ich gerne bei Gelegenheit. Es ist ja nichts ab und an gegen eine Praline oder ein Stück Kuchen einzuwenden, das natürlich gesüßt ist, aber eben alles in Maßen. Das bringt auch den Zuckerspiegel nicht dauerhaft durcheinander und macht auch nicht dick (vorausgesetzt deine restliche Ernährung ist ausgewogen und deine Nahrung basiert nicht ausschließlich darauf J). Wer also gern abnehmen will oder gesünder leben möchte, sollte sich vielleicht ersteinmal seinen täglichen Zuckerkonsum bewusst machen und bei jeder Gelegenheit hinterfragen: Brauche ich den Zucker jetzt gerade wirklich oder ist es eigentlich eine Gewohnheit geworden, auf die ich auch verzichten kann? Wer sich von Zucker entwöhnen will, dem empfehle ich vielleicht einen langsamen Entzug, d.h. jeden Tag etwas weniger Zucker zu nehmen und irgendwann darauf zu verzichten bzw nur bei besonderen Gelegenheiten bewusst Zucker zu konsumieren, das ist gut für die Gesundheit und die Linie J

Künstliche Süßstoffe sind kein Ersatz für natürliche Süße

–> verändern das Mikrobiom/deine Darmflora: begünstigt Bakterien, die beim Verdau unserer Nahrung mehr Energie extrahieren können, uns also mehr Kalorien aus der Nahrung verfügbar machen, höhere Fetteinlagerung

–> Außerdem haben diese Bakterien einen Effekt auf die natürliche Produktion unseres Sattmacher-Hormons Leptin, so dass wir am Ende mehr essen, weil wir uns weniger satt fühlen.

–> haben einen Einfluss auf unsere Glukose Toleranz und könnten damit langfristig zu Diabetes Typ 2 führen

–> helfen uns außerdem nicht dabei, deinen süßen Zahn zu zähmen, im Gegenteil, dein Bedürfnis nach Zucker ist ja noch da (weil du psychisch noch darauf eingestellt bist) wird aber für den Körper nicht befriedigt, da der Körper Süßstoffe nicht verwerten kann, so dass man im Prinzip noch mehr Lust auf Zucker bekommt

 

 

Referenz

Suez et al.: Artificial sweeteners induce glucose intolerance by altering the gut microbiota. Nature. 2014 Oct 9;514(7521):181-6. doi: 10.1038/nature13793.

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