Launische Mikroben? …oder wie deine Darmbakterien deine Stimmung beeinflussen

Fühlst du dich auch manchmal launisch, missgestimmt oder sogar depressiv? Dann heitert dich dieser Beitrag vielleicht ein bisschen auf 😀 Es gibt mal wieder Neues an der Mikrobenfront, also aufgepasst, liebe Mitbewohner im Darm, das Gehirn weiß jetzt Bescheid, ihr habt keine ungeahnte Kontrolle mehr über uns  🙂  jetzt aber zu den Fakten…

Wir haben ja schon früher gehört, dass unsere Darmbakterien eine gewisse „Macht“ über unser Gehirn ausüben können, da die Stoffwechselprodukte und andere Substanzen, die sie produzieren in unser Blut übertreten und auch auf unser Nervensystem wirken. Die direkte Kommunikation zum Gehirn funktioniert u.a. direkt über den Nervus Vagus (via Neurotransmitter).

 

Z.B. produzieren unsere Bakterien neuroaktive Substanzen und Derivate (wie z.B. Tryptophan, einen Vorläufer von Serotonin, unserem Glückshormon), die unser Nervensystem im Darm und möglicherweise auch unser Gehirn beeinflussen (Serotonin, was im Darm produziert wird, gelangt zwar nicht direkt durch die Blut-Hirn-Schranke, jedoch scheint es die Serotoninproduktion im Gehirn dennoch beeinflussen zu können! (Clarke et al., 2013; O’Mahony, Clarke, Borre, Dinan, & Cryan, 2015).

Auch andere bakterielle Produkte wie Toxine (Giftstoffe) beeinflussen unsere Laune und unsere kognitiven Funktionen auf ähnliche Weise (z.B unser Erinnerungsvermögen oder unsere Lernleistung) (Bercik et al., 2010; Liang et al., 2015).

Unsere Bakterien können indirekt (durch Immunzellen im Rahmen einer entzündlichen Immunreaktion) oder auch direkt selbst vor Ort in einem Gewebe eine Reaktion auslösen.

Exkurs: Wie gelangen die Signale der Bakterien oder sogar Bakterien selbst zu unserem Nervensystem oder anderen Organen?

Wenn Bakterien und Toxine durch eine „löchrige“ Darmwand schlüpfen, können sie ins umliegende Gewebe und ins Blut übertreten. Dabei treffen sie auf unsere Immunzellen, die natürlich gegen die Eindringlinge vorgehen.

Die Immunzellen sind quasi unsere Schutzpolizei, um unseren Körper zu schützen vor der fremden Invasion. Sie teilen anderen Immunzellen und auch anderen Geweben/Organen natürlich diese Information auch mit. Die Sprache, die bei der Signalvermittlung verwendet wird sind sogenannte „Cytokine“. Dies sind kleine Signalproteine, die dann anderen Zellen (in Organen oder auch im Hirn) quasi eine Botschaft „mitteilen“, so dass diese Zellen sich entsprechend verhalten, also mit einer entzündlichen Reaktion antworten, die unser System „Körper“ eigentlich schützen soll.

Worauf ich hierbei aber konkret hinaus will: Bei Reizdarmpatienten und auch bei Patienten mit klinischer Depression sowie chronischem Stress liegt eine veränderte Darmflora vor und gleichzeitig auch eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmwand (Kelly et al., 2015), so dass leichter Toxine und Bakterien in unseren Körper gelangen können.

Wenn du bis hierhin gekommen bist im Text, ahnst du wahrscheinlich, was jetzt passiert. Das Immunsystem greift ein, um gegen die Fremdkörper-Invasion vorzugehen. Auch wenn wir jetzt nicht akut tot umfallen oder uns dadurch total sterbenskrank fühlen (nur ein bisschen), hat es dennoch chronische Auswirkungen auf unser gesamtes System „Körper“, da Gewebe bzw. Organe natürlich auf die Toxine und Bakterienprodukte reagieren, inkl. dem Hormonsystem, dem Nervensystem und auch dem Gehirn, welches ohnehin alle Vorgänge im Körper (bewusst oder unbewusst) registriert. Die Symptome können z.B. Kopfschmerzen, Fatigue und Abgeschlagenheit sein oder eben auch Stimmungsschwankungen.

Leider liegen bisher nur sehr widersprüchliche und unzureichende Daten vor was Ursache und was Konsequenz ist bei Patienten mit klinischer Depression. Sprich:

Sind unsere Darmbakterien für Depression verantwortlich oder ist die veränderte Darmflora eine Konsequenz der neuronalen Erkrankung?

Wir wissen es noch nicht. Alles, deutet jedoch zumindest kollektiv auf einen direkten Zusammenhang zwischen veränderter Darmflora und depressivem Verhalten hin (Maes, Kubera, & Leunis, 2008)(Foster & McVey Neufeld, 2013).

Spannend ist auf jeden Fall, dass man in gesunden Menschen, die Laune bedeutsam heben konnte und das Stressniveau des Hormons Cortisol senken konnte durch die Einnahme von Probiotika und Präbiotika (Schmidt et al., 2015; Steenbergen, Sellaro, van Hemert, Bosch, & Colzato, 2015). In Mäusen konnte gezeigt werden, dass sich die Einnahme von Probiotika (inkl. Bifidobakterien und Lactobazillen) ängstliches und gestresstes Verhalten milderte, indem der Cortisol- und Adrenalinspiegel vermindert werden konnte (zwei unserer Stresshormone) (Ait-Belgnaoui et al., 2014).

Leider gab es bisher noch keine erfolgreichen Studien, die dies signifikant für Menschen mit klinischer Depression gezeigt hätten. Dennoch ist hier natürlich noch nicht das letzte Wort gesprochen und es gilt noch eine Menge darüber herauszufinden und deutlich mehr klinische Evidenz zu sammeln. Bei Patienten mit Chronischem Fatigue Syndrom hat man bereits ansatzweise zeigen können, dass Probiotika die Symptome mildern können (Rao et al., 2009). Insgesamt deuten alle bisherigen Versuche und Ergebnisse aus Studien daraufhin, dass Probiotika und Präbiotika in der Therapie von psychischen Erkrankungen in Zukunft Einsatz finden sollten. Für alle unter uns, die vielleicht keine diagnostizierte klinische Depression haben, aber häufig depressiv verstimmt, melancholisch, antriebslos oder gestresst sind, ist dies eine Botschaft, ab und an mehr probiotische Lebensmittel im Rahmen einer gesunden Ernährung zu konsumieren und/oder Probiotika einzunehmen um eine gesunde Darmflora zu bekommen, die unsere Gesundheit und unsere Stimmung positiv beeinflusst (D’Mello et al., 2015).

Happy gut = Happy brain!

Referenzen

Ait-Belgnaoui, A., Colom, A., Braniste, V., Ramalho, L., Marrot, A., Cartier, C., … Tompkins, T. (2014). Probiotic gut effect prevents the chronic psychological stress-induced brain activity abnormality in mice. Neurogastroenterology & Motility, 26(4), 510–520. https://doi.org/10.1111/nmo.12295

Bercik, P., Verdu, E. F., Foster, J. A., Macri, J., Potter, M., Huang, X., … Collins, S. M. (2010). Chronic Gastrointestinal Inflammation Induces Anxiety-Like Behavior and Alters Central Nervous System Biochemistry in Mice. Gastroenterology, 139(6), 2102–2112.e1. https://doi.org/10.1053/j.gastro.2010.06.063

Clarke, G., Grenham, S., Scully, P., Fitzgerald, P., Moloney, R. D., Shanahan, F., … Cryan, J. F. (2013). The microbiome-gut-brain axis during early life regulates the hippocampal serotonergic system in a sex-dependent manner. Molecular Psychiatry, 18(6), 666–673. https://doi.org/10.1038/mp.2012.77

D’Mello, C., Ronaghan, N., Zaheer, R., Dicay, M., Le, T., MacNaughton, W. K., … Swain, M. G. (2015). Probiotics Improve Inflammation-Associated Sickness Behavior by Altering Communication between the Peripheral Immune System and the Brain. Journal of Neuroscience, 35(30), 10821–10830. https://doi.org/10.1523/JNEUROSCI.0575-15.2015

Foster, J. A., & McVey Neufeld, K. A. (2013). Gut-brain axis: How the microbiome influences anxiety and depression. Trends in Neurosciences. https://doi.org/10.1016/j.tins.2013.01.005

Kelly, J. R., Kennedy, P. J., Cryan, J. F., Dinan, T. G., Clarke, G., & Hyland, N. P. (2015). Breaking down the barriers: the gut microbiome, intestinal permeability and stress-related psychiatric disorders. Frontiers in Cellular Neuroscience, 9. https://doi.org/10.3389/fncel.2015.00392

Liang, S., Wang, T., Hu, X., Luo, J., Li, W., Wu, X., … Jin, F. (2015). Administration of Lactobacillus helveticus NS8 improves behavioral, cognitive, and biochemical aberrations caused by chronic restraint stress. Neuroscience, 310, 561–577. https://doi.org/10.1016/j.neuroscience.2015.09.033

Maes, M., Kubera, M., & Leunis, J.-C. (2008). The gut-brain barrier in major depression: intestinal mucosal dysfunction with an increased translocation of LPS from gram negative enterobacteria (leaky gut) plays a role in the inflammatory pathophysiology of depression. Neuro Endocrinology Letters, 29(1), 117–24. Retrieved from http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18283240

O’Mahony, S. M., Clarke, G., Borre, Y. E., Dinan, T. G., & Cryan, J. F. (2015). Serotonin, tryptophan metabolism and the brain-gut-microbiome axis. Behavioural Brain Research. https://doi.org/10.1016/j.bbr.2014.07.027

Rao, A. V., Bested, A. C., Beaulne, T. M., Katzman, M. A., Iorio, C., Berardi, J. M., & Logan, A. C. (2009). A randomized, double-blind, placebo-controlled pilot study of a probiotic in emotional symptoms of chronic fatigue syndrome. Gut Pathogens, 1(1), 6. https://doi.org/10.1186/1757-4749-1-6

Schmidt, K., Cowen, P. J., Harmer, C. J., Tzortzis, G., Errington, S., & Burnet, P. W. J. (2015). Prebiotic intake reduces the waking cortisol response and alters emotional bias in healthy volunteers. Psychopharmacology, 232(10), 1793–801. https://doi.org/10.1007/s00213-014-3810-0

Steenbergen, L., Sellaro, R., van Hemert, S., Bosch, J. A., & Colzato, L. S. (2015). A randomized controlled trial to test the effect of multispecies probiotics on cognitive reactivity to sad mood. Brain, Behavior, and Immunity, 48. https://doi.org/10.1016/j.bbi.2015.04.003

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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