Warum deine Ernährung die Darmflora deiner Urenkel beeinflussen kann….oder: nimm doch den Salat, Schatz!

Hier ist ein wirklich guter Grund, mehr Gemüse in deinen täglichen Speiseplan zu integrieren (mal abgesehen davon, dass es natürlich lecker ist 🙂 ): Nein, es geht ausnahmsweise mal nicht nur um dich, sondern auch um deine Kinder und Kindeskinder!

Vor allem in unserem Colon (Großteil unseres Dickdarm) leben ca 40 Billionen Bakterien, die in ihrer Artenvielfalt und Anzahl abhängig davon sind, wie wir uns ernähren. Am glücklichsten leben unsere Mitbewohner, wenn wir sie entsprechend mit Dingen füttern, die ihnen guttun und am Ende uns selbst. Alles, was wir nicht selbst vorher schon verdaut haben durch Enzyme, ist das reinste Festtagsbuffet für deine Darmbakterien, z.B. Ballaststoffe.

Demnach nimmt man an, dass je weniger Ballaststoffe und je mehr prozessierte und fertig verarbeitete Lebensmittel aus dem Supermarkt wir konsumieren, desto geringer ist nach einiger Zeit die Anzahl an Darmbakterien und die Vielfalt der Arten, die wir haben. Dies setzt sich sogar von Generation zu Generation fort.

Wenn man sich historisch unsere Ernährungsweise ansieht, nahmen unsere frühen Vorfahren (aus der Jäger-und auch frühen Agrarphase) ca. 4-mal mehr Ballaststoffe zu sich als in unserer heutigen Standardernährung enthalten ist. Gleichzeitig haben wir heute eine um ca. 30% geringere Vielfalt an Mikroflora als unsere Vorfahren. Interessante Korrelation, oder?

Das haben sich die Forscher aus dem Sonnenburg Lab in Stanford (USA) auch gedacht und haben den Zusammenhang zwischen verringerter Ballaststoffaufnahme und geringen Vielfalt an Darmbakterien untersucht. In dieser Studie mit Mäusen konnte gezeigt werden, dass Mäuse, welche über mehrere Generationen hinweg mit ballaststoffarmer Diät verköstigt wurden, Nachkommen bekamen, die eine „schwächere“ Darmflora aufwiesen (bei Mäusen geht das mit den Generationen sehr schnell, bereits mit einem Alter von 6 Wochen kann wieder neu geworfen werfen J). Diese Nachkommen hatten eine deutlich geringere Anzahl und Vielfalt an Darmbakterien und deren Nachkommen wiederum hatten sogar eine erneut reduzierte Anzahl an Bakterienstämmen usw (Sonnenburg et al., Nature 2016). Wir können es sogar so weit treiben, dass wir ganze Darmbakterienstämme quasi durch unsere Ernährung „ausrotten“ bzw. schon ausgerottet haben. Interessanterweise konnte im Rahmen dieser Experimente eine der späten Folgegenerationen dieser Mäuse mit reduzierter Mikroflora „gerettet“ werden, indem man ihnen wieder Futter mit einem hohen Ballaststoffanteil zu essen gab.

Das macht doch zumindest ein bisschen Hoffnung, oder? Obwohl wir anscheinend zwar schon generationsbedingt eine weniger ausgeprägte Darmflora haben und damit ein höheres Risiko haben bzw. quasi prädestiniert dazu sind entweder an Übergewicht, Darmkrebs oder irgendeiner Form von neurodegenerativer Erkrankung zu sterben, haben wir trotzdem die Möglichkeit unsere Nahrung zu wählen. Es ist zwar zunächst eine Mausstudie und in Menschen müsste man diese Studie generationsübergreifend noch gezielt bestätigen, aber man steht bei diesen Untersuchungen ja auch erst am Anfang. Es ist allerdings kein Zufall, dass vor allem in westlichen Nationen eine starke Korrelation besteht zwischen dem Konsum heutiger prozessierter, ballaststoffarmer Nahrung und einem immer höher werdenden Anteil an übergewichtigen Menschen, Fällen von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und auch neurodegenerativen Erkrankungen (z.B. Alzheimer und Parkinson). Hier spielen natürlich noch einige andere Faktoren eine große Rolle, auf die wir noch zu sprechen kommen.

„While we pass on relatively few changes in our human DNA for each generation, this study indicates that we are potentially passing on huge changes in our gut microbiome“ (E. Sonnenburg, Stanford)

frei übersetzt: „Obwohl unsere DNA von Generation zu Generation sich kaum verändert, so geben wir offenbar große Veränderungen in unserem Mikrobiom (Darmflora) auf unsere Folgegenerationen weiter“

Was auf jeden Fall Fakt ist: das, was wir heute essen, kann u.U. auch die Gesundheit unserer Kinder betreffen.

Abschließend bleibt vielleicht erstmal zu sagen: nimm doch den Salat, Schatz….und ein paar Bohnen!

„you might just consider choosing a salad … or an extra serving of beans.“ (E. Martens)

Tipp: Wenn du mehr Ballaststoffe in deine Ernährung integrieren willst, baue regelmäßig ein:

Hülsenfrüchte, Vollkorn, Obst, Gemüse, Nüsse

Du solltest vor allem schrittweise damit anfangen und zuerst, wenn du es nicht gewöhnt bist, nur wenig davon essen und schrittweise die Portion etwas erhöhen. Außerdem sollte dabei auf erhöhte Flüssigkeitsaufnahme geachtet werden. Also viel Wasser trinken, läuft, ne?

 

Sonnenburg et. al, Nature 2016

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